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Nachruf

Gestern ging er von uns. Einfach so.

Ohne vorherige Ankündigung, ohne uns zu fragen oder sich zu verabschieden.

Dabei war er doch erst 6 Jahre alt.

Kein Alter. Viel zu jung, um jetzt schon das Zeitliche zu segnen.

Er bescherte uns fröhliche Abende mit der ganzen Familie.

Manchmal sorgte er für Gänsehaut und manchmal für Wutausbrüche.  Er unterhielt kranke Kinder, sorgte für tränenreiches Filmeschauen und verkürzte uns so manchen Regentag.

Unser Fernseher.

 

Bis vor ein paar Tagen funktionierte er einwandfrei.

Aber plötzlich ging er wie von Geisterhand getrieben an und wieder aus.

An – aus. An – aus. An – aus… das letzte Aufflackern eines Lebenswillen?

 

Hektische Untersuchungen erbrachten nur eine Diagnose: Motherboard kaputt.

Reparatur unseres Mini-Fernsehers nicht möglich und zu teuer, da es für ihn kaum noch Ersatzteile gibt. Geschätzte Reparaturkosten – wenn das Ersatzteil überhaupt noch zu finden ist – mehrere Hundert Euro.

 

Liest man einmal quer durch verschiedene Technik-Foren, so stellt man fest, dass man nicht alleine ist.

Viele Geräte geben schon nach kurzer Zeit ihren Geist auf und sind nicht mehr reparabel.

Verrückt! Da regt sich die ganze Welt – zurecht- darüber auf, dass die Weltmeere von Plastikmüll überflutet und Ressourcen vergeudet werden … und dann sowas!

Wir werden zum Wechsel des Fernsehers gezwungen, obwohl er gerne weiterhin seinen Dienst hätte verrichten können.

Wir und er, der Mini – das passte.

 

Muss ich davon ausgehen, dass das frühe Ende vieler Geräte von den Herstellern bewusst kalkuliert wird?

So werden auch solche Verbraucher wie wir, die nicht ständig den neuesten Fernseher, Drucker, PC oder das ultimative Handy kaufen möchten, gezwungen, sich an der Ressourcenverschwendung zu beteiligen.

Geräte, die früher noch repariert werden konnten, werden heute zu Einweggeräten.

 

Ich finde, wir sollten hier umdenken und versuchen, diesen Neukauf-Wahnsinn nicht mitzumachen.

 

Natürlich hätten wir auf den Fernseher komplett verzichten und fortan fernseh- abstinent leben können.

Man kann an dunklen Winterabenden schließlich auch lesen, vor dem Kamin sitzen, sich unterhalten oder Spieleabende veranstalten.

Nachrichten sind über verschiedene Mediatheken über den PC abrufbar.

Selbst Filme schaut man besser auf dem PC über einen Streaming Dienst, weil sie dort (meistens) ohne nervige Werbeunterbrechung zu sehen sind.

 

Aber wir sitzen auch gerne alle mal gemeinsam vor der „Kiste“, schlürfen heißen Tee oder auch mal Wein und schauen uns irgendeinen "Mist" an, um gemeinsam darüber zu lästern. Der sonntägliche Tatort schaut sich über einen etwas größeren Bildschirm auch besser.

Gemeinsam Mist oder den Tatort vor einem kleinen Laptop-Bildschirm zu schauen, ist mir zu anstrengend. Da muss dann doch wieder ein Fernseher her, der mehreren Personen gleichzeitig die Chance gibt das Bild zu sehen.

Langweiliges stundenlanges Bügeln wird durch gleichzeitiges Fernsehen erträglich und was wäre der Heilige Abend spät nachts ohne Horrorfilme? 

 

Der "Neue" ist beim Händler unseres Vertrauens vor Ort bestellt und wird dort auch gleich eingerichtet.

Den großen Onlinehändler haben wir wegen mangelnder Beratung verschmäht.

 

Nun hoffen wir, dass der Neue länger seinen Dienst verrichtet als der Alte und vielleicht sogar reparabel ist.

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